Kurzgeschichten & Co

Ich sitze in einem modernen, neuen Café mit meinem nun dritten Kaffee, den ich später nicht bezahlen werde. Ich werde nach der Rechnung fragen, der Kellner, der momentan auch der Besitzer ist, wird kommen, ich werde sagen „das war wirklich schön hier, sie sind noch nicht so lange hier, oder?“. Er wird lächeln, erzählen, dass sie erst seit März hier sind – was ich schon aus der Zeitung weiß – und es ihn sehr freut, dass es mir gefällt.

Ich werde ihn anlächeln und während ich in meiner großen Handtasche herum wühle, werde ich sagen, dass ich ab jetzt öfter vorbei kommen werde. Dann werde ich meinen Geldbeutel heraus holen und flüstern, dass ich ihm gerne noch zwei Euro Trinkgeld geben möchte. Er wird sich höflich bedanken und sich bestätigt fühlen in seinem Traum ein Café zu eröffnen. Schließlich hat sich der ganze Stress gelohnt, wenn es den Kunden gefällt."

AUS DEM Kurzgeschichtenband „Neid“ 2018, Herausgeber Michael Achilles, ISBN: 978-3-00-061336-4 Kurzgeschichte: „Der Kaffee, den ich später nicht bezahlen werde“, Seite 10-22

Es war einmal, doch ist es noch,
seit wir uns selbst bekriegen,
Schwarzer Nebel treibt in den Schlaf,
die sich im Leben wiegen.


Elende wollen und dürfen nicht,
sind Kämpfer um ihr Leben,
Fallende, tagein, tagaus,
als hätt’s sonst nichts gegeben.


Ewiger Schlaf ist rücksichtlos
zu denen, die ziehen müssen,
Schöpfer der Leidenswege
stehen nie vor schallenden Schüssen."

AUS DEM Kurzgeschichtenband „Krieg – Vater aller Dinge“ 2019,

Herausgeber Michael Achilles, ISBN: 978-3-00-064669-0,

Gedicht: „Doch ist es noch“, Seite 112-116